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Innovation und Veränderung

Aktuelle Herausforderungen für Wirkstoffhersteller - Teil 2

Ein interessanter Aspekt, der in den letzten Jahren auffällig geworden ist, ist die starke Differenzierung derAPI-Hersteller in Europa und Amerika gegenüber den Newcomern aus Asien. Während dort hauptsächlich Monoproduktionsanlagen in Betrieb sind und große Tonnagen hergestellt werden, betreiben die Marktführer in Europa und Amerika meist Mehrzweckanlagen. Der professionelle Betrieb solcher Anlagen gilt allgemein als die „Champions League“ der Chemie, denn er erfordert profundes Fachwissen, langjährige Erfahrung und ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein.

Dass Mehrzweckanlagen zur Herstellung kleinerer und mittlerer Volumina pharmazeutischer Wirkstoffe sinnvoll und ausgesprochen nützlich sind, zeigt der Erfolg der Betreiber, insbesondere auch im Wettbewerb bei Neuprojekten forschender Pharmaunternehmen. Es ist nach wie vor ein Fakt, dass neue Wirkstoffe zunächst fast ausschließlich von diesen etablierten und erfahrenen Herstellern produziert werden. Die Kosteneinsparungen bei einer Produktion in Asien stehen in keinem Verhältnis zum Risiko, nicht beliefert zu werden oder nicht rechtzeitig auf den Markt zu kommen.

Weiterhin zeigt ein Blick in die Pipelines der forschenden Pharmafirmen, dass viele neue Produkte niedrige Dosierungen und eine damit einhergehende höhere Wirksamkeit haben. Auch hier ist der Betrieb von unterschiedlich skalierten Mehrzweckanlagen von großem Vorteil. Darüber hinaus ist ein Trend zur „individualisierten Medizin“ oder zu „individuellen Nischentherapien“ zu beobachten. Der resultierende Trend zur verstärkten Nachfrage nach kleineren Liefermengen sowie nach Substanzen mit stärkerer Wirkung, die entsprechend in kleinerer Dosis verabreicht werden können, spricht für die Richtigkeit der Strategie, sich auf Mehrzweckanlagen zu fokussieren und Know-how peinlichst zu wahren und ständig zu erweitern.

Technologische Anpassung

Technologische Anpassung ist ein weiterer ausschlaggebender Erfolgsfaktor. Neben Basistechnologien wie Tieftemperaturreaktionen, chirale Katalyse, Reduktionen mit metallorganischen Verbindungen, milden Oxidationen und enzymatische Reaktionen, die erforderlich sind, um dem Endkunden eine breite Palette an Leistungen bieten zu können, gibt es neue Technologien, die beträchtliches Potenzial aufweisen, sich aber noch nicht allgemein in der Produktion durchgesetzt haben.

Ein gutes Beispiel für innovative Technologien ist der Mikroreaktor, der eine nahtlose Skalierung chemischer Prozesse durch Parallelisierung, anstatt durch Erhöhung der Chargengrößen, ermöglicht.

Process Analytical Technology (PAT) bietet ebenfalls großes Potenzial für zukünftige Anwendungen, ist jedoch extrem teuer in der Implementierung. Beide Technologien erfordern beträchtliche Investitionen in Infrastruktur und Hardware; ob sie sich letztlich durchsetzen können, ist daher nicht absehbar. Als Hemmfaktoren wirken hier neben den Kosten vor allem auch die begrenzte Eignung von Mikroreaktoren für bestimmte chemische Reaktionen sowie die mit der Umstellung auf PAT verbundene Notwendigkeit, Änderungen an den in Mehrzweckanlagen angewandten Arbeitsabläufen vorzunehmen.

Herausforderungen

Der Preisdruck auf europäische Wirkstoffhersteller wird sich bei zunehmender Verlagerung der Massenproduktion von APIs nach Asien weiter verstärken. Die „klassischen“ API-Hersteller werden sich immer mehr auf kleine bis mittlere Volumen, komplexe Technologien und hochaktive chemische Verbindungen spezialisieren. Das Überleben europäischer und amerikanischer API-Hersteller lässt sich durch den intelligenten Betrieb von Mehrzweckanlagen, die laufende Verbesserung der Arbeitsprozesse und ständige Investitionen in Technologie und Mitarbeiter gewährleisten. Eine weitere Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben ist die kompromisslose cGMP-Compliance zusammen mit regelmäßigen Weiterbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter. Die Chancen von API-Herstellern im Privatbesitz liegen im langfristigen Denken, ihrer Flexibilität und ihrer gut ausgebildeten Mitarbeiter. Jedoch ist bei all dem auch die langfristige Unterstützung durch die Regierungen und die Bevölkerung notwendig.

Prognose

Auch wenn eine gezielte Prognose nicht möglich ist, sind folgende Entwicklungen in der Branche mit einem Zeithorizont für die nächsten fünf bis zehn Jahre denkbar:

Biopharmazeutika werden ein stetiges Wachstum erleben, bei New Chemical Entities (NCEs) wird die Entwicklung moderat verlaufen. Möglicherweise wird es bei HIV-Therapien, Behandlung von Malaria und anderen Masseninfektionen einen Durchbruch auch bei den chemischen Wirkstoffen geben.

Individualisierte Medizin wird zunehmend an Bedeutung gewinnen – sei es in Form von individueller Dosierung, unterschiedlicher Wirkstoffmischungen oder neuer Therapien. Das Wachstum im Bereich Krebstherapien und Entwicklung neuer Arzneimittel zur Krebsbehandlung wird sich weiter fortsetzen und mit einer beträchtlichen Kostensteigerung im staatlichen und privaten Krankenversicherungssystem einhergehen.

Multiresistenzen von Bakterien gegen Antibiotika werden zunehmend zur Herausforderung werden und stellen eine große Bedrohung für die Menschheit dar. Hier sind neue Lösungsansätze, bis hin zu staatlichen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen, dringend gefragt.

Regierungen werden ihren Einfluss auf den Gesundheitssektor weiter verstärken. Der Vertrieb von generischen Wirkstoffen wird mehr und mehr über sog. „Tendergeschäfte“ laufen. Gewinnspannen werden stetig schrumpfen. Als unmittelbare Konsequenz des zunehmenden Tendergeschäfts werden Pharmahersteller und Großhändler ihre Lagerkapazitäten und Vorratshaltung reduzieren. Folglich wird es zu Lieferengpässen bei wichtigen Arzneimitteln kommen. Generika-Hersteller werden sich möglicherweise gegen eine Beteiligung an „Tendergeschäften“ entscheiden, um rentabel zu bleiben.

Neue, interessante Ansätze für pharmazeutische Wirkstoffe werden in Zukunft eher von kleineren, hochinnovativen Pharmafirmen kommen, die ab dem Erreichen einer bestimmten klinischen Phase von den großen Pharmakonzernen aufgekauft werden. Die Chance für Wirkstoffhersteller besteht darin, bereits von Beginn an dabei und somit später Lieferant für die kommerziellen Mengen zu sein.

Veränderungen mit positiver Wirkung

Die folgenden Veränderungen könnten zukünftig Herstellern und Patienten zugutekommen:

Schaffung von attraktiven Entwicklungsbedingungen…

…für lebensrettende Arzneimittel wie z.B. neue Antibiotika. Hier ist insbesondere der Staat gefordert, die finanziellen Rahmenbedingungen bereitzustellen, weil er frei von Gewinnstreben ist. Die Herstellung solcher neuen Antibiotika muss nahe am Endkunden erfolgen und einer strengen Kontrolle zur Verhinderung des Missbrauchs unterliegen (z.B. Verschreibung von Antibiotika gegen Virusinfektionen). Der Verzicht auf die Anwendung dieser neuen Antibiotika zur Behandlung von Tieren oder im „Pharming“ ist zwingend notwendig.

Vermehrte Herstellung von APIs in Europa und den USA…

…im Rahmen der strategischen Entscheidung, die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu reduzieren. Dadurch ließen sich zudem die Einhaltung der hohen arzneimittelrechtlichen Standards in der EU und den USA gewährleisten und die Kosten für GMP-Inspektionen in Asien unter Kontrolle halten.

Chancengleichheit und „Level Playing Field“…

…für alle API-Hersteller weltweit insbesondere bezüglich Anwendung und Durchsetzung von cGMP, Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Faire Preise für Wirkstoffe…

…und Schluss mit den Dumpingpreis-Attacken aus Asien und ein gesundes Bewusstsein seitens der Öffentlichkeit, dass Arzneimittel Leben retten und nicht kostenlos zu haben sind.

Volle Unterstützung durch die Regierungen…

…Europas und Amerikas. Keine weiteren Regulierungen, die letztendlich zu Wettbewerbsnachteilen gegenüber den asiatischen Herstellern führen. Schaffung einer Position des Respekts und der Achtung vor dieser kleinen, aber lebenswichtigen Industrie.

Dr. Hendrik Baumann, Geschäftsführer,
Arevipharma und Mitglied
des CPhI-Expertengremiums

www.arevipharma.com
Aktuelle Herausforderungen für Wirkstoffhersteller, Teil 1
Aktuelle Herausforderungen für Wirkstoffhersteller, Teil 2

Lesen Sie den zweiten Teil des Artikels von
Dr. Hendrik Baumann über aktuelle Herausforderungen
für Wirkstoffhersteller in
CHEManager 18/2015.


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