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Arevipharma: Wirkstoffe – Made in Germany

Interview mit Dr. Hendrik Baumann, Geschäftsführer von Arevipharma

Arevipharma ist ein mittelständisches Unternehmen, das sich mit der Entwicklung und Produktion pharmazeutischer Wirkstoffe beschäftigt. Den Namen trägt das Unternehmen erst seit 2007, allerdings wurde das Werk in Radebeul bereits im Jahr 1887 von Dr. Friedrich von Heyden und Hermann Kolbe gegründet. Mitte 2013 übernahm Dr. Hendrik Baumann die Geschäftsführung. Zu dieser Zeit steckte Arevipharma in einer schweren Absatzkrise. Baumann kann inzwischen auf eine erfolgreiche Restrukturierungsphase zurückblicken und erläutert gegenüber CHEManager, welche Maßnahmen getroffen wurden und wie es weitergehen soll. Die Fragen stellte Dr. Birgit Megges.

CHEManager: Herr Dr. Baumann, welche Probleme gab es bei Arevipharma, als Sie die Geschäftsführung übernommen haben?

Dr. H. Baumann: Die Absatzkrise kam in erster Linie dadurch zustande, dass die Zulassung für einen wichtigen Wirkstoff eingeschränkt wurde. Im Zuge dessen hat unser Hauptkunde seine Bestellungen storniert. Darüber hinaus kam es aufgrund von Überbevorratungen einiger Kunden zu der Situation, dass die Bedarfe 2013 und teilweise auch 2014 stark nach unten korrigiert werden mussten. Insgesamt hat das Unternehmen einen Umsatzverlust von circa 30% verkraften müssen. Es war in dieser Situation dringend erforderlich, ein umfangreiches Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramm durchzuführen und gleichzeitig die Liefersicherheit für unsere Kunden aufrecht zu erhalten.

Welche Maßnahmen wurden durchgeführt?

Dr. H. Baumann: Um insgesamt wieder eine wettbewerbsfähige Struktur zu haben, mussten wir leider in erheblichem Umfang Personal abbauen, was natürlich sehr bedauerlich ist. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern konnte hier aber ein guter Sozialplan, inklusive der Möglichkeit zum Wechsel in eine Transfergesellschaft, vereinbart werden. Weiterhin konnten wir in signifikantem Umfang die technischen Kosten senken und die Betriebsabläufe effizienter gestalten.

Waren diese Maßnahmen erfolgreich?

Dr. H. Baumann: Die in 2014 durchgeführte Restrukturierung zeigt seit einigen Monaten erste Erfolge. Es ist uns zum Beispiel gelungen, den Auftragsbestand stark zu erhöhen und mit Blick auf das Gesamtjahr sind wir optimistisch, den Geschäftsplan erfüllen zu können. Insbesondere hinsichtlich der sich füllenden Projektpipeline und den sehr positiven und intensiven Gesprächen mit unseren Schlüsselkunden bin ich optimistisch, dass Arevipharma aus der Krise der letzten zehn Monate gestärkt hervorgehen wird.

Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Geschäftstätigkeit?

Dr. H. Baumann: Wenn man das Anwendungsspektrum betrachtet, so handelt es sich dabei hauptsächlich um Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien und nicht zu vergessen die Betäubungsmittel. Bei letzteren sind wir der einzige unabhängige Hersteller in Deutschland. Schwerpunktmäßig stellen wir verschiedene Opioide her, aber auch Fentanyl und seine Derivate sind wichtige Produkte. Wir werden dieses Portfolio weiter ausbauen und hoffen, mit den jetzt geschlossenen Kooperationsvereinbarungen weitere Marktanteile gewinnen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit ist die Lohnsynthese von Wirkstoffen. Auch hier konnten wir in den letzten Monaten neue Verträge abschließen und sind auf gutem Weg, unsere Projektpipeline zu füllen.

Wie ist Arevipharma in technischer Hinsicht aufgestellt?

Dr. H. Baumann: In dieser Hinsicht ist Arevipharma sehr breit aufgestellt. Wir decken etwa 90% aller für die Herstellung von Wirkstoffen notwendigen chemischen Reaktionen ab. Darüber hinaus können wir in unseren Reinräumen auch entsprechende Mahl- und Mikronisierungsschritte zur finalen Behandlung der Wirkstoffe durchführen. Dies alles ist aktuell für Wirkstoffe bis zur pharmazeutischen Gefährdungsklasse 3 möglich und wir planen, diese Leistungen auch auf die pharmazeutischen Gefährdungsklasse 4 auszubauen. Entsprechende Machbarkeitsstudien laufen und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir hier in Zukunft dem Markt ein weiteres Leistungsangebot zur Verfügung stellen können.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation im Hinblick auf steigende regulatorische Anforderungen und sinkende Preise?

Dr. H. Baumann: Einige unserer Kunden, vorrangig multinationale Konzerne, geben hier klare Signale, die nicht zuletzt mit den immer stärkeren regulatorischen Anforderungen an die Wirkstoffe einhergehen. Da wünschte man sich am liebsten PAT - Process Analytical Technology - bei jedem Produktionsschritt, um eine lückenlose Überwachung und Aufzeichnung der Prozessschritte zu gewährleisten. Im Idealfall sollte man darüber hinaus für jede Wirkstoffklasse eine eigene, baulich möglichst getrennte Herstellanlage vorhalten, um von vornherein allen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Das ist die ideale Welt und wir versuchen, ihr soweit wie möglich zu entsprechen. Allerdings wird man leider nicht alle Wünsche erfüllen können - insbesondere vor dem Hintergrund der permanenten Preisdiskussionen. Wir brauchen eine ausgewogene Balance zwischen Preis, Qualität und regulatorischen Anforderungen. Sonst kann dieses System langfristig nicht funktionieren.

Link zum Interview


Arevipharma GmbH
Meißner Straße 35
D-01445 Radebeul
Web: www.arevipharma.com
Telefon: +49 (0)351 8314-0
Telefax: +49 (0)351 8314-2100
Geschäftsführung
Herr Dr. Hendrik Baumann
Herr Sebastian Breyer
Handelsregister:
Amtsgericht Dresden, HRB 23835
USt-IdNr.: DE 240935001
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