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Rücktritt Dr. von Heydens von der Fabrikleitung und Gründung der Firma Dr.von Heyden Nachfolger.

Den erfreulichen Fortschritten, welche die sich rasch steigernde Einführung der Salicylsäure und damit die Fabrik selbst machten, traten am Anfang der achtziger Jahre Schwierigkeiten hemmend entgegen, die dem Gründer des Werkes die bisher mit größter Hingabe und Energie durchgesetzte Führung allmählich verleideten. Die Salicylsäure hatte vielfache Verwendung zum Konservieren von Nahrungsmitteln gefunden, unter anderen erkannten sie die Bierbrauereien, die damals noch nicht wie jetzt die Gährung durch Hefereinzucht und Kältemaschinen nach Belieben leiten konnten, als sehr nützlich für ihre Zwecke. Dieser Verwendung stand aber besonders in Bayern das Gesetz entgegen, das jeden Zusatz außer Malz, Hopfen, Wasser und Hefe verbietet. Trotz aller Bemühungen Dr. von Heydens und ohne Rücksicht auf ein sehr günstiges Gutachten des berühmten Münchner Hygienikers Pettenkofer, der die Unschädlichkeit geringer Mengen Salicylsäure für absolut erwiesen erklärte, wurde, in Besorgnis um den guten Ruf des bayerischen Bieres, gegen die Verwendung von Salicylsäure ein Verbot ausgesprochen. Dieser Maßnahme folgten bald die übrigen deutschen Bundesstaaten und ebenso Frankreich. Die Bierbrauer wollten sich aber die einmal erkannten Vorteile des neuen Konservierungsmittels nicht so leicht aus den Händen nehmen lassen und umgingen das Verbot. Das hatte Strafanzeigen nicht nur gegen die Verbraucher der Salicylsäure, sondern auch gegen ihren Fabrikanten zur Folge. Die letzteren Verfahren wurden zwar als unbegründet niedergeschlagen, aber sie verärgerten den verdienstvollen Mann doch in hohem Maße. Dazu kamen öftere Meinungsverschiedenheiten zwischen Dr. von Heyden und seinem Prokuristen Rentsch, der zwar sehr tüchtig war, aber auch reichlich eigenwillig gewesen zu sein scheint. Mehr noch als alle diese Unannehmlichkeiten dürfte es aber die aufreibende Tätigkeit in den ersten zehn Jahren gewesen sein, welche die Arbeitskraft und Unternehmungslust Dr. von Heydens zermürbte, und so entschloß er sich endgültig, von der Leitung der Fabrik zurückzutreten. Am 26. März 1885 kam ein Vertrag zustande, in dem es heißt: „Die unter der Firma Dr. von Heyden in Radebeul betriebene Fabrik von Salicylsäure und Salicylsäure-Derivaten geht mit allen Aktiven und Passiven für den Preis von 230 000 M. über an die Firma Dr. von Heyden Nachfolger, deren Inhaber Dr. Carl Kolbe und Carl Rentsch sind. Die stillen Teilhaber der bisherigen Firma, Geheimer Kommerzienrat Siegle und die drei Töchter des Geheimen Hofrates Professor Kolbe, haben ein Vorkaufsrecht für den doppelten Kaufpreis. Das Fabrikgrundstück darf nicht mit Hypotheken oder anderen Lasten beschwert werden." Die Übergabe der Firma in andere Hände hob übrigens die Beziehungen Dr. von Heydens zu dem von ihm gegründeten Unternehmen keineswegs auf. Noch vorhandene Briefe zeigen, daß er der neuen Firma ständig mit seinem bewährten Rate beistand, und beim späteren Übergang zur Aktiengesellschaft übernahm er den Vorsitz im Aufsichtsrat, behielt diese Stellung noch zwanzig Jahre lang bei und verfolgte auch als Ehrenvorsitzender bis zu seinem Tode im Jahre 1926 mit stolzer Genugtuung die Entwicklung des Unternehmens, dessen Gründung und Aufbau sein Lebenswerk gewesen ist.




Quelle: CHEMISCHE FABRIK von HEYDEN - AKTIENGESELLSCHAFT, RADEBEUL-DRESDEN
1874-1934 - Erinnerungsblätter aus 6 Jahrzehnten, zusammengestellt von Dr. O.Schlenk, Radebeul

Verlag: Kupky & Dietze (Inh. C. und R. Müller), Radebeul
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