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Hermann Kolbe und seine Arbeiten über die Salicylsäure.



Geheimer Hofrat Professor Dr. Rudolf Schmitt
Ihm sind grundlegende Verbesserungen des ersten Salicylsäure-Verfahrens zu verdanken
Hermann Kolbe wurde am 27. September 1818 als ältestes von fünfzehn Kindern eines evangelisch-lutherischen Pfarrers in dem Dorfe Elliehausen bei Göttingen geboren. Er zeigte schon in früher Jugend ungewöhnliches Interesse für die Naturwissenschaften, studierte von 1838 an unter Wähler in Göttingen Chemie, war von 1842 bis 1845 Assistent von Bunsen in Marburg, dann von Playfair in London. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete Kolbe zunächst literarisch in Braunschweig und wurde im Frühjahr 1851 als Nachfolger des berühmten Bunsen zum Ordinarius in Marburg ernannt, ohne vorher als Privatdozent habilitiert gewesen zu sein. In dieser Stellung entfaltete er eineinhalb Jahrzehnte lang eine eifrige Tätigkeit als hochgeschätzter Lehrer und führte gleichzeitig eine große Reihe wichtiger experimenteller Arbeiten aus, von denen an dieser Stelle nur die über die Salicylsäure kurz besprochen werden mögen. In einer Anmerkung zu der weiter oben bereits genannten Arbeit von Gerland (1853) setzte Kolbe auseinander, daß die neue Bildungsweise der Salicylsäure aus Anthranilsäure in Verbindung mit ihrer leichten Zersetzbarkeit in Kohlensäure und Phenol einigermaßen wahrscheinlich mache, daß sie eine der „Äthyloxydkohlensäure" analoge Zusammensetzung haben und demnach „Phenyloxyd" unter ihren näheren Bestandteilen schon gebildet enthalten müsse. Er stellt dann experimentelle Prüfung dieser Frage in Aussicht und bemerkt, daß „Phenylsaures Kali, wie es scheint, durch Kohlensäuregas nicht in salicylsaures Kali verwandelt wird". Diesem negativen Ergebnis der ersten Versuche, Salicylsäure direkt aus Phenol und Kohlensäure herzustellen, folgten nach Kolbes eigener Angabe viele weitere vergebliche Arbeiten in gleicher Richtung.
Endlich aber im Jahre 1859, also sechs Jahre nach dem ersten Versuch, konnte der unermüdliche Forscher mit seinem Mitarbeiter Lautemann berichten, daß „wenn man Kohlensäure zu Phenyloxydhydrat leitet, während Natrium sich darin auflöst, diese drei Körper sich unter Entbindung von Wasserstoff unmittelbar zu salicylsaurem Natrium vereinigen". Diese Feststellung war zwar ein großer Fortschritt, aber die Konstitution der Salicylsäure war durch die Synthese doch noch keineswegs klargelegt. Piria, der erste Entdecker der Säure, hatte sie nach späteren Versuchen für zweibasisch erklärt, Kolbe und Lautemann bestritten aber diese Annahme und fanden weiterhin, daß sich bei dem von ihnen gefundenen Darstellungsverfahren wirklich die angenommene „Phenyloxydkohlensäure" (Phenylkohlensäure) bildete, daß diese aber nicht identisch, sondern nur isomer mit der gleichzeitig entstehenden Salicylsäure ist. Wirkliche Klarheit vermochten auch diese Arbeiten noch nicht zu schaffen, ja die irrtümliche Annahme Kolbes, daß eine von ihm aus Salicylsäure erhaltene vermeintlich neue Substanz „Salylsäure" nicht identisch mit Benzoesäure sei, führte ihn sogar von der richtigen Fährte ab. Geklärt wurden die verwickelten Verhältnisse der aromatischen Verbindungen überhaupt und damit auch die der Salicylsäure erst durch die Kekulösche Benzoltheorie, die Kolbe allerdings schroff ablehnte. Nach dieser Theorie, die sich späterhin in unzähligen Fällen aufs beste bewährte, konnte es nicht zweifelhaft sein, daß die Salicylsäure eine der drei möglichen Mono-Oxybenzoesäuren sein mußte. Der Nachweis der relativen Stellung der Seitengruppen machte noch viele Schwierigkeiten, aber im Jahre 1873 stellte Viktor Meyer die Zugehörigkeit der Salicylsäure zur Ortho-Reihe endgültig fest, und seitdem sind wohl kaum mehr ernstliche Zweifel darüber geäußert worden, daß sie die Ortho-Oxybenzoesäure ist. In Kolbes Lebensverhältnissen trat eine wesentliche Veränderung dadurch ein, daß er im Jahre 1865 nach Leipzig berufen wurde. Hier leitete er schon bald nach der Ubersiedlung den Bau eines neuen Universitätslaboratoriums, das, im Jahre 1868 eröffnet, das größte und zweckmäßigste aller deutschen Institute dieser Art war. Nach anderen wohlgelungenen Experimentalarbeiten nahm Kolbe an der neuen Arbeitsstätte die Versuche mit Salicylsäure wieder auf. Die von ihm mit Lautemann gefundene Darstellungsweise genügte für die Gewinnung größerer Mengen in keiner Weise, aber sie ließ sich wesentlich verbessern. Es zeigte sich, daß Salicylsäure einfacher und mit weit besserer Ausbeute entsteht, wenn man auf erhitztes trockenes Phenolnatrium Kohlensäure einwirken läßt, wobei die Reaktion in der Weise verläuft, daß aus zwei Molekülen Phenolnatrium und Kohlensäure ein Molekül basisch salicylsaures Natrium entsteht, während die Hälfte des Phenols in Freiheit gesetzt wird. Diese überraschend einfache Synthese machte mit einem Schlage die bisher seltene und teure Salicylsäure leicht zugänglich und regte deshalb bei ihrem glücklichen Entdecker den Gedanken an, sie technisch zu verwerten. Eine praktische Verwendung für die Säure kannte man zwar noch nicht, aber ahnenden Geistes sah der geniale Mann voraus, daß sich eine solche bestimmt finden lassen würde. Bei einem Besuche, den Kolbe im Jahre 1873 seinem wohl bedeutendsten Schüler, dem Professor Rudolf Schmitt in Dresden machte, sollte die Entscheidung fallen. Kolbe berichtete dem Freund von seiner noch nicht veröffentlichten Erfindung, besprach mit ihm seine weiteren Pläne und bat ihn zugleich um Empfehlung eines zuverlässigen Mitarbeiters, da er selbst nicht genügend Zeit habe, um das interessante Gebiet ausgiebig zu bearbeiten. Professor Schmitt war auch in der glücklichen Lage, in seinem bevorzugten Schüler Dr. von Heyden eine geeignete Persönlichkeit vorzuschlagen, und so fand denn in Schmitts Laboratorium in Dresden die denkwürdige erste Zusammenkunft der drei Männer statt, deren Namen mit der Geschichte der Salicylsäure für alle Zeiten aufs engste verbunden sein werden. Dr. von Heyden schreibt über diese Besprechung in seinen Lebenserinnerungen: „An diesem Tage entschied sich mein ferneres Schicksal! Ich lernte den Geheimrat Kolbe, einen der bedeutendsten Chemiker seiner Zeit kennen, wir fanden beide aneinander sehr bald so großes Gefallen, daß von diesem Tage an ein Freundschaftsverhältnis sich begründete, wie es idealer nicht gedacht werden kann, und das für mich unendlich beglückend und ehrenvoll wurde." Es muß als eine besonders glückliche Fügung angesehen werden, daß sich drei so ausgezeichnete Männer zusammenfanden, die, einander ebenbürtig, wie keine anderen geeignet waren, das große, völlig neuartige Werk der Salicylsäurefabrikation zu begründen und in reger Zusammenarbeit weiter zu entwickeln.


INHALTSVERZEICHNIS
Zum Geleit
Die Vorgeschichte der Salicylsäure
Hermann Kolbe und seine Arbeiten über die Salicylsäure
Friedrich von Heyden und die Gründung seiner Fabrik im Jahre 1874
Die Überführung der Fabrik nach Radebeul und erfolgreiche Aufnahme der Fabrikation
Professor Kolbes Tod und Professor Schmitts Verbesserung der Salicylsäure-Synthese
Rücktritt Dr. von Heydens von der Fabrikleitung und Gründung der Firma Dr.von Heyden Nachfolger
Vergrößerung der Fabrik und Aufnahme wichtiger neuer Präparate
Überführung der Fabrik in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und in eine Aktiengesellschaft in den Jahren 1896 und 1899
Bau und Inbetriebsetzung der Fabrik in Weißig
Gründung und Entwicklung der amerikanischen Fabrik
Weitere Entwicklung der Fabrik in Radebeul bis zum Weltkrieg
Die Tätigkeit der Fabrik und das Schicksal der amerikanischen Niederlassung während des Weltkrieges
Nach dem Weltkrieg
Neuere Spezialpräparate der Chemischen Fabrik von Heyden
Veränderungen in der Leitung der Fabrik. Belegschaft - Finanzen - Werkserneuerung - Arbeitsbeschaffung
Technische Einrichtungen der Fabriken
Soziale Einrichtungen der Firma


Quelle: CHEMISCHE FABRIK von HEYDEN - AKTIENGESELLSCHAFT, RADEBEUL-DRESDEN
1874-1934 - Erinnerungsblätter aus 6 Jahrzehnten, zusammengestellt von Dr. O.Schlenk, Radebeul

Verlag: Kupky & Dietze (Inh. C. und R. Müller), Radebeul

Arevipharma GmbH
Meißner Straße 35
D-01445 Radebeul
Web: www.arevipharma.com
Telefon: +49 (0)351 8314-0
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Geschäftsführung
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Herr Sebastian Breyer
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