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Neuere Spezialpräparate der Chemischen Fabrik von Heyden.



Aus den Berieben in Radebeul

Von den zahlreichen nach dem Kriege neu eingeführten Spezialpräparaten mögen einige besonders erfolgreiche kurz besprochen werden. Bei der Fabrikation des Zuckerins war immer ein Nebenprodukt abgefallen, in dem nach jahrelangen wissenschaftlichen Vorarbeiten ein Ausgangsprodukt für ein hochwertiges Desinfiziens gefunden wurde, das ParatoluolsulfonchIoramid, ein Präparat, dessen Natriumsalz unter dem Namen „Chloramin Heyden" oder „Clorina" in den Handel kommt. Es ist eine in Wasser leicht lösliche Substanz von konstanter Zusammensetzung, die dem Quecksilbersublimat in bezug auf Desinfektionskraft ebenbürtig, aber ungiftig, reizlos und billig ist und sich außerdem durch die Fähigkeit auszeichnet, unangenehme Gerüche zu beseitigen. Die vortrefflichen Eigenschaften des Präparates, die durch seine alsbaldige Aufnahme in das Deutsche Arzneibuch anerkannt wurden, befähigen es zur Verwendung auf allen Gebieten des Desinfektionswesens, als Rohchloramin zur Großdesinfektion von Räumen und Gegenständen, als Clorina für die Verwendung am menschlichen Körper. In Form parfümierter Tabletten dient das Produkt unter der Bezeichnung Gyneclorina zur speziellen Hygiene der Frau und zu sonstigen desinfizierenden Waschungen. Schon in sehr starker Verdünnung ist ein anderes Antiseptikum der Firma, das Carvasept (Chlorcarvacrol), wirksam, das zur Hautdesinfektion (z. B. auch gegen Furunkulose) sowie zur Konservierung verderblicher organischer Stoffe nützliche Verwendung findet. Auf der Verwendung von Acetylsalicylsäure als Grundsubstanz aufbauend, wurden im Jahre 1927 die beiden neuen Präparate Agit und CoffetyI in dem Handel übergeben. In ersterem ist durch Kombination des Acetylins mit Kalksalzen die fieber- und entzündungswidrige Wirkung des Acetylins (Acetylsalicylsäure) gesteigert worden, unter gleichzeitiger noch weitergehender Verbesserung der Verträglichkeit; bei letzterem wurde durch Kombination von Acetylin mit Coffein nicht nur die Wirkung des Acetylins gesteigert, sondern gleichzeitig auch ein stimulierender Effekt erzielt. Beide Mittel finden gegen Rheumatismus, Grippe, Neuralgien, Kopf- und Zahnschmerz erfolgreiche Anwendung. Als energisch wirkendes Schlafmittel mit dem großen Vorzug der Geschmacklosigkeit erwies sich das Nirvanol (Phenyläthylhydantoin); doch verhinderten vereinzelt sich einstellende unerwünschte Nebenwirkungen seine allgemeine Einführung. Überraschenderweise zeigte es aber eine ganz spezifische Heilwirkung bei Veitstanz (Chorea minor), die durch eine große Anzahl ärztlicher Veröffentlichungen immer wieder bestätigt wird und dem Präparat einen ehrenvollen Platz im Arzneischatz sichert.
Auf dem Gebiete der eigentlichen Chemotherapie im Sinne Paul Ehrlichs führte Professor Hans Schmidt im Radebeuler wissenschaftlichen Laboratorium eine Reihe von Arbeiten über organische Antimonverbindungen aus, die sich als Heilmittel gegen tropische Trypanosomenkrankheiten gut bewährten. Das Arbeitsgebiet wurde im Jahre 1928 durch Vereinbarung mit der I. G. Farbenindustrie A.-G. dieser überlassen und wird dort von seinem ersten Bearbeiter mit Erfolg weiterbehandelt. Eine ganze Anzahl neuer kolloider Präparate ergab sich aus der Weiterbenutzung früherer Erfahrungen und Beobachtungen. Die intravenöse Anwendung der bereits erwähnten kolloiden Metallpräparate, besonders des Collargols, führten zu der Erkenntnis, daß nicht nur dem Metall selbst, sondern auch dem Schutzkolloid, einem Proteinkörper, eine Beteiligung an der therapeutischen Wirkung zukommt, entsprechend der von dem leider zu früh verstorbenen Dr. Paul Lindig in Freiburg eingeführten parenteralen Proteinkörpertherapie. Das von ihm zuerst empfohlene Caseosan, eine fünfprozentige sterile Caseinlösung, wirkt auf lokalisierte Entzündungen zunächst im Sinne einer Reizung ein, die den menschlichen Organismus zur Bildung von Abwehrstoffen und zur Leistungssteigerung einzelner Organe anregt und dadurch den Verlauf der verschiedensten Infektionskrankheiten günstig beeinflußt. Eine reiche medizinische Literatur über die Anwendung des Caseosans berichtet von vielfach überraschend guten Erfolgen und hat zu seiner weiten Verbreitung sehr beigetragen. In ähnlicher Weise wie Caseosan wirkt auch SufrogeI, ein kolloides Schwefelpräparat, das sich zur Behandlung chronischer Gelenkerkrankungen und als eines der besten und harmlosesten fiebererzeugenden Mittel bei der Therapie metaluetischer Nervenerkrankungen vielfach bewährt hat. Gegenüber der bisher üblichen Behandlung von Hautkrankheiten mit häufig unangenehm riechenden und lästigen Salben gab der Sulfoderm-Puder erstmalig die Möglichkeit, die genannten Krankheiten, auch solche schwerwiegender und hartnäckiger Natur, in kosmetisch einwandfreier Weise zu behandeln, was in Hinblick auf die Berufstätigkeit der Patienten oft von wesentlicher Bedeutung ist. Gegen Erkrankungen ekzematöser Natur wird dem Präparat auch Steinkohlenteer zugesetzt, „Teer-SuIfoderm-Puder", wobei aber Belästigung durch Farbe und Geruch vollkommen vermieden wird. Seit langer Zeit werden bei Magen- und Darmerkrankungen schon Adsorptionsmittel, die Giftstoffe und Bakterien an sich ziehen, verwendet. Als besonders wirksam in diesem Sinne erwiesen sich die Präparate Silargel (Chlorsilborkieselsäure-Gel) und Adsorgan (Kombination von Silargel mit Silberkohle), da sie Bakterien nicht nur binden, sondern sie auch abtöten. Der gleiche Gesichtspunkt führte zur Herstellung der SiIargetten, wohlschmeckender gummihaltiger Pastillen mit einem Gehalt von 10% Silargel, die zur Prophylaxe und Therapie infektionöser Erkrankungen im Mund und Rachenraum ausgedehnteste Verwendung finden. Als Mittel gegen die lästige Übersäuerung des Magens und das Sodbrennen wurde im Jahre 1933 das Präparat Gastro-SiI geschaffen, ein , Calciumsilikat-Gel, das neben der säurebindenden Wirkung durch Vermehrung des Kalkgehaltes im Blut auch einen Einfluß auf die nervösen Grunderscheinungen dieser Beschwerden auszuüben vermag. Besonders interessant ist auch ein erst in jüngster Zeit dem Handel übergebenes Mittel, Peremesin, ein kolloides Cerpräparat, das sich vorzüglich gegen Erbrechen aus den verschiedensten Ursachen, See-, Luft-, Eisenbahnkrankheit, Schwangerschaftserbrechen usw. bewährt und bereits bei der Deutschen Luft-Hansa, verschiedenen Reedereien und Kraftwagenunternehmungen Eingang gefunden hat. Schließlich seien noch die vor einigen Jahren geschaffenen Röntgenkontrastmittel, d. h. Mittel zur Sichtbarmachung von Körperhohlräumen mit Hilfe von Röntgenstrahlen, Umbrathor und Thorotrast, genannt. Während das erstere Präparat vorzugsweise für die Untersuchung des Verdauungskanals Verwendung findet, ist das Thorotrast für eine sehr große Zahl der verschiedensten diagnostischen Fragestellungen herangezogen worden. Die außerordentlich große Zahl von wissenschaftlichen Abhandlungen gerade über dieses Präparat hat gezeigt, daß noch zahlreiche röntgendiagnostische Probleme der Lösung harren und daß die Mithilfe des Chemikers hier besonders notwendig ist. Es sei nur nebenbei die interessante Tatsache bemerkt, daß mit Thorotrast sogar das Gefäßsystem des Gehirns dargestellt werden kann, woraus Schlüsse auf Lageveränderungen, das Vorhandensein von Geschwülsten usw. ermöglicht werden. Über alle hier kurz besprochenen neuen Präparate der Chemischen Fabrik von Heyden gibt das seit 1928 jährlich erscheinende „Jahrbuch Heyden" ausführliche Auskunft, das sich durch seinen reichen Inhalt und seine objektive Wiedergabe der wichtigsten Veröffentlichungen über die zur Rede stehenden Spezialpräparate eine sehr freundliche Aufnahme bei den Ärzten gesichert hat.


INHALTSVERZEICHNIS
Zum Geleit
Die Vorgeschichte der Salicylsäure
Hermann Kolbe und seine Arbeiten über die Salicylsäure
Friedrich von Heyden und die Gründung seiner Fabrik im Jahre 1874
Die Überführung der Fabrik nach Radebeul und erfolgreiche Aufnahme der Fabrikation
Professor Kolbes Tod und Professor Schmitts Verbesserung der Salicylsäure-Synthese
Rücktritt Dr. von Heydens von der Fabrikleitung und Gründung der Firma Dr.von Heyden Nachfolger
Vergrößerung der Fabrik und Aufnahme wichtiger neuer Präparate
Überführung der Fabrik in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und in eine Aktiengesellschaft in den Jahren 1896 und 1899
Bau und Inbetriebsetzung der Fabrik in Weißig
Gründung und Entwicklung der amerikanischen Fabrik
Weitere Entwicklung der Fabrik in Radebeul bis zum Weltkrieg
Die Tätigkeit der Fabrik und das Schicksal der amerikanischen Niederlassung während des Weltkrieges
Nach dem Weltkrieg
Neuere Spezialpräparate der Chemischen Fabrik von Heyden
Veränderungen in der Leitung der Fabrik. Belegschaft - Finanzen - Werkserneuerung - Arbeitsbeschaffung
Technische Einrichtungen der Fabriken
Soziale Einrichtungen der Firma


Quelle: CHEMISCHE FABRIK von HEYDEN - AKTIENGESELLSCHAFT, RADEBEUL-DRESDEN
1874-1934 - Erinnerungsblätter aus 6 Jahrzehnten, zusammengestellt von Dr. O.Schlenk, Radebeul

Verlag: Kupky & Dietze (Inh. C. und R. Müller), Radebeul

Arevipharma GmbH
Meißner Straße 35
D-01445 Radebeul
Web: www.arevipharma.com
Telefon: +49 (0)351 8314-0
Telefax: +49 (0)351 8314-2100
Geschäftsführung
Herr Dr. Hendrik Baumann
Herr Sebastian Breyer
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USt-IdNr.: DE 240935001
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