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Bau und Inbetriebsetzung der Fabrik in Weißig.



Fabrikanlage in Weißig
Bei der Auswahl eines geeigneten Platzes für die neu zu schaffende Fabrik spielten die Transportverhältnisse für die dort besonders in Betracht kommenden Schwerchemikalien eine Hauptrolle. Nach vielen Besichtigungen von in Frage kommenden Stellen suchte die Direktion deshalb auf der Landkarte die Stelle aus, an der die Dresden — Leipziger Eisenbahnlinie am nächsten an die Elbe herantritt, also leichte Zu- und Abfuhr zu Wasser und zu Land möglich war. Es ergab sich, daß bei der Station Weißig bei Großenhain und dem Dorfe Nünchritz das Rittergut Grödel käuflich war. Die Verhandlungen führten zum Abschluß eines Kaufvertrages und sicherten der Firma den Besitz eines Geländes, das in einer Länge von 800 m nahe an die Elbe grenzt, aber hochwasserfrei liegt und nahezu dreißigmal so groß war wie das ganze Areal in Radebeul. Reiche Funde aus vorgeschichtlicher Zeit, die schon bei den ersten Bauarbeiten gemacht wurden und seitdem eine Zierde des prähistorischen Museums im Dresdner Zwinger bilden, beweisen, daß das Land schon in grauer Vorzeit besiedelt war. Unwillkürlich drängt die Betrachtung dieser Altertümer zu einem Vergleich der menschlichen Kulturhöhe von der steinzeitlichen Wohngrube und dem sorben-wendischen Fischerdorf an bis zu der modernen chemischen Fabrik mit ihrer Ausnützung aller erdenklichen Fortschritte von Wissenschaft und Technik.


Aus den Betrieben in Weißig
Wie eine Nachwirkung aus alter Zeit erscheint es jetzt, daß sich die landwirtschaftliche Bevölkerung in der Umgebung heftig gegen den Bau der Fabrik sträubte und Einspruch dagegen erhob. Sie hat sich unterdessen überzeugen können, daß ihre Befürchtungen grundlos waren, und die außerordentliche Vergrößerung des Dorfes Nünchritz und sein verhältnismäßiger Wohlstand bezeugen es, daß die erwarteten Nachteile sich in Vorteile verwandelt haben. Der erste Spatenstich zur Planierung des teilweise bewaldeten, größtenteils aber öden, sandigen Baulandes geschah am 10.Juni des Jahres 1900. Unendlicher Vorarbeiten bedurfte es, um alle Vorbedingungen für das Entstehen einer großen Fabrik zu schaffen, die das neue Unternehmen im Gegensatz zu dem im kleinsten Maßstabe begonnenen Radebeuler Werk doch von Anfang an werden sollte. Da war erst Wald zu roden, ein Anschlußgleis nach dem Bahnhof Weißig, eine Entladebrücke an der Elbe und eine Schmalspurbahn innerhalb der Fabrik zu bauen. Es mußte für Wasserbeschaffung aus mehreren Brunnen und für Beleuchtung gesorgt werden, es mußten Fabrikationsgebäude, Werkstätten, Kesselhaus und Maschinenhalle, Lagerschuppen, eine kleine Gasfabrik, ein 86m hoher Schornstein, Kantine und Wohnhäuser errichtet werden, und das alles mit möglichster Beschleunigung.


Wohnhäuser von Werksangehörigen in Weißig
Nach wenig mehr als zwei Jahren stand die Anlage betriebsfertig da. Am 5. August 1902 wurden unter Leitung eines erfahrenen Fachmannes, des Chemikers G. Lasche, die Kiesöfen angeheizt und nach zwei Tagen lief die erste Schwefelsäure in die Reservoire. Das von R. Knietsch vortrefflich ausgearbeitete Verfahren bewährte sich auch hier und lieferte nicht nur den eigenen Bedarf, sondern auch reichliche Ware für den Verkauf. Im Jahre 1912 wurde die Anlage verdoppelt, in den Jahren 1916/17 vervierfacht, ohne daß große Neubauten dazu nötig gewesen wären. Nach der Schwefelsäurefabrik wurden Betriebe für die Herstellung von Salzsäure und SaIpetersäure eingerichtet, von denen der letzere nach dem Kriege infolge der überlegenen Konkurrenz der aus Luft synthetisch hergestellten Salpetersäure wieder aufgegeben wurde. Als besonders wichtig erwies sich ein, wie früher schon berichtet wurde, von Herrn Dr. Öttel bearbeitetes und später mit Herrn Dr. Robert Strauß betriebsmäßig ausgebildetes Verfahren zur AlkaIi Elektrolyse. Dieses im Gegensatz zu vielen Arbeitsmethoden gleicher Art bisher nicht veröffentlichte Verfahren wurde im Jahre 1907 zur Fabrikation von Kalilauge in Betrieb genommen und später mehrfach stark vergrößert.

Aus den Werken in Weißig

In seinen Grundlagen unverändert geblieben, wenn auch in Einzelheiten vielfach verbessert, hat es nun schon über ein Vierteljahrhundert lang nicht nur den eigenen Bedarf gedeckt, sondern auch enorme Mengen Verkaufsware geliefert und dadurch bis heute seine Leistungsfähigkeit aufs beste bewiesen. Für die bei dem Verfahren bekanntlich entstehenden Nebenprodukte, Chlor und Wasserstoff, fand sich ebenfalls günstige Verwendung. Ersteres Gas wird teilweise in der Fabrik Schwefelsäure-Fabrikation in Weißig selbst verbraucht, teilweise in automatischen Apparaten auf Chlorkalk verarbeitet oder in flüssiger Form in den Handel gebracht.


Schwefelsäure-Fabrikation in Weißig
Der Wasserstoff wird zum Teil komprimiert und wegen seiner hohen Reinheit gern gekauft, zum anderen Teil in einem großen Gasometer gesammelt und zum Füllen von Freiballonen verwendet. Am 1.Oktober 1909 startete der erste eigene Ballon der Fabrik, Heyden I, mit Herrn Arthur von Heyden, dem Sohne des Begründers der Fabrik, zu einer wohlgelungenen Fahrt. In den folgenden Jahren wurden zwei weitere Ballone, Heyden II und Riesa angeschafft und in Verwendung genommen und außer diesen schickte Herr Dr. Strauß, der langjährige reicherfahrene Ballonstarter der Fabrik, viele weitere Ballone der verschiedensten Luftfahrtvereine in das Reich der Lüfte. Einige besonders interessante Fahrten seien erwähnt, die des Ballons Dresden unter Leitung eines bekannten Ballonführers, des Herrn Korn, welche in 4 Tagen und 3 Nächten bis zum Asowschen Meer führte und beinahe den Zeit- und Streckenweltrekord erreichte, dann eine abenteuerliche Fahrt in dichtem Nebel über die Ostsee nach Norwegen und eine andere, die, sicher nicht ganz freiwillig, auf einem Gletscher der Zillertaler Alpen endete. Eine einzige Fahrt verlief unglücklich: Der Dresdner Leutnant Richter startete allein mit dem Ballon Luna in einer stürmischen Winternacht und ist seitdem mit dem Ballon spurlos verschwunden. Der traurige Ausgang des gewagten Unternehmens hielt andere Ballonfahrer von der Ausübung ihres herrlichen Sportes nicht ab, und es spricht gewiß für die Beliebtheit des Nünchritzer Ballonplatzes, daß im Laufe von annähernd 25 Jahren über 1000 Ballone von ihm aufstiegen. Auch manchem Angehörigen der Fabrik war es vergönnt, sich seine Arbeitsstätte einmal aus der Vogelperspektive zu besehen und in genußreichen Luftfahrten weite Strecken des lieben Vaterlandes von einem sehr ungewöhnlichen Standort aus zu überblicken. Die der Firma gehörigen Freiballone gingen am Anfang des Weltkrieges in den Besitz der Heeresverwaltung über und fielen dem Kriege zum Opfer. Es ist aber auch jetzt noch den Luftsportorganisationen gute Gelegenheit gegeben, ihre eigenen Ballone unter fachmännischer Leitung in Nünchritz füllen und starten zu lassen.


Wasserstoffballons von Heyden


INHALTSVERZEICHNIS
Zum Geleit
Die Vorgeschichte der Salicylsäure
Hermann Kolbe und seine Arbeiten über die Salicylsäure
Friedrich von Heyden und die Gründung seiner Fabrik im Jahre 1874
Die Überführung der Fabrik nach Radebeul und erfolgreiche Aufnahme der Fabrikation
Professor Kolbes Tod und Professor Schmitts Verbesserung der Salicylsäure-Synthese
Rücktritt Dr. von Heydens von der Fabrikleitung und Gründung der Firma Dr.von Heyden Nachfolger
Vergrößerung der Fabrik und Aufnahme wichtiger neuer Präparate
Überführung der Fabrik in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und in eine Aktiengesellschaft in den Jahren 1896 und 1899
Bau und Inbetriebsetzung der Fabrik in Weißig
Gründung und Entwicklung der amerikanischen Fabrik
Weitere Entwicklung der Fabrik in Radebeul bis zum Weltkrieg
Die Tätigkeit der Fabrik und das Schicksal der amerikanischen Niederlassung während des Weltkrieges
Nach dem Weltkrieg
Neuere Spezialpräparate der Chemischen Fabrik von Heyden
Veränderungen in der Leitung der Fabrik. Belegschaft - Finanzen - Werkserneuerung - Arbeitsbeschaffung
Technische Einrichtungen der Fabriken
Soziale Einrichtungen der Firma


Quelle: CHEMISCHE FABRIK von HEYDEN - AKTIENGESELLSCHAFT, RADEBEUL-DRESDEN
1874-1934 - Erinnerungsblätter aus 6 Jahrzehnten, zusammengestellt von Dr. O.Schlenk, Radebeul

Verlag: Kupky & Dietze (Inh. C. und R. Müller), Radebeul

Arevipharma GmbH
Meißner Straße 35
D-01445 Radebeul
Web: www.arevipharma.com
Telefon: +49 (0)351 8314-0
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Geschäftsführung
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Herr Dr. Dirk Jung
Handelsregister:
Amtsgericht Dresden, HRB 23835
USt-IdNr.: DE 240935001
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